Ein bisschen Danton

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Mit diesem Artikel richte ich mich an all jene, die in ihrer Freizeit nicht zur Fantasy-Reihe greifen. An jene, deren Krimis noch zu banal und Science-Fiction zu weit hergeholt ist. An jene, die gerne mal Weltliteratur lesen. Und natürlich an den kompletten 12. Jahrgang im Deutsch-Grund-oder Leistungskurs.

Danton’s Tod, so heißt Georg Büchners Werk welches dieses Jahr im KC landete und dessen Titel auch gleichzeitig auf Platz eins der Literauturspoiler steht. Als wäre das nicht genug spielt Büchners Drama auch noch zur Zeit der Französischen Revolution. Das heißt man macht im Deutschunterricht neben bei auch noch Geschichtsunterricht. Doch das reichte Büchner noch nicht er schrieb in diesem Fall keine Geschichte über verzweifelte Liebende oder über einen unterbezahlten Soldaten, nein, viel zu profan für den guten Georg er wollte etwas von Bedeutung schreiben, ein Stück mit einer politischen Botschaft.

Das alles prädestiniert das Werk dafür dass Schüler es nicht ausstehen können. Aber eine Sache macht das alles wieder wett: eine durchweg sympathische Hauptfigur, Danton. Danton ist Nihilist und Fatalist und überhaupt ist er depressiv und hat einfach keine Lust. Wobei stimmt nicht, die hat er. Aber ansonsten ist er ziemlich faul. Doch selten konnte jemand seine Faulheit so gut rechtfertigen wie das Rhetorikgenie Danton. Er trifft also genau den Zeitgeist des Schülers von heute. Bietet er doch eine schöne Auswahl an Ausreden. Ein Beispiel: heute morgen dachte ich mir okay, es ist jetzt 7:15 in einer Stunde wirst du in der Schule sein. Und da kam mir Danton in den Sinn: „ich werde,du wirst, er wird. Wenn wir bis dahin noch leben! sagen die alten Weiber. Nach einer Stunde werden sechzig Minuten verflossen sein.“ Wie gern hätte ich in diesem Moment meinem inneren Schweinehund mit Dantons Worten nachgegeben. Aber nein, ich musste ja aufstehen.Schließlich musste ich ja zur Schule. Aber auch dafür hat Danton eine passenden Konter: „Es muß; da war dies Muß. Wer will der Hand fluchen, auf die der Fluch des Muß gefallen? Wer hat das Muß gesprochen, wer?“  Das kann wohl keiner beantworten und schon sitzt jeglicher Gegner des Faulenzen in Dantons clever gestellten Falle. Es lebe Danton! Der Messias der Faulen und der Schläfrigen.

Aber vielleicht sollte ich mich jetzt doch mal an meine Szenenanalyse setzen. Denn schließlich kennt auch meine Deutschlehrerin Danton nur allzu gut. Das heißt wenn ich mich beschwere, dass Sie uns die Szenenanalyse aufgegeben hat, bekomme ich lediglich zu hören, dass sie das ja musste, weil es im Kerncurriculum so vorgegeben ist. Und wer will schon der Hand fluchen, auf die der Fluch des Muß gefallen ist?